Sarah Jordi: Uber Schweiz – c’est moi - Love my job
15815
single,single-post,postid-15815,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-child-theme-ver-1.0.0,qode-theme-ver-7.7,wpb-js-composer js-comp-ver-4.7.4,vc_responsive

Sarah Jordi: Uber Schweiz – c’est moi

20151208_Yooture_Sarah Jordi003_klein800

30 Dez Sarah Jordi: Uber Schweiz – c’est moi

Aller Anfang ist schwer. Sarah Jordi, Senior Marketing Managerin bei der Fahrdienst-App Uber, weiss das ganz genau. Als Ein-Frau starkes Marketing-Team hat sie allen inneren und äusseren Widerständen zum Trotz grossen Anteil am heutigen Erfolg der Mobile App in der Schweiz.

Wir treffen Sarah in einem Kaffee in Zürich. Sie sitzt schon da, wartet und schaut sich die Karte an. Neben ihr liegt eine Sporttasche. Wie viel Zeit sie habe? „Um fünf habe ich einen Termin, je nachdem wie lange es geht, kann ich vorher noch kurz ins Fitness-Studio“. Die Arbeitszeiten kann sie sich ziemlich frei einteilen. Wir haben also Zeit. Zum Glück! Sarah hat viel erlebt und viel zu erzählen. Sie liebt ihren Job, flexible Arbeitszeiten, ein internationales Umfeld, das Reisen, Menschen aus vielen Ländern und ganz unterschiedlichen Kulturen. Man hört, wie wohl sie sich heute in ihrem Job fühlt, obwohl es ursprünglich nicht ganz ihr Traumberuf war: „Als Kind wollte ich immer Lehrerin oder Journalistin werden. Lehrerin habe ich dann aber schnell sein lassen, da ich merkte, dass ich ganz schlecht mit Kindern umgehen kann.“

20151208_Yooture_Sarah Jordi016

Den Journalistentraum verfolgte sie länger. Sie absolvierte ein Praktikum bei 20 Minuten und studierte Journalismus und Organisationskommunikation an der ZHAW. Anfangs etwas holprig: „Für das Studium bin ich nach Zürich gezogen. So eine Stadt bietet ganz schön viele Ausgehmöglichkeiten. Ich habe diese Möglichkeiten ausgeschöpft. Das hat sich natürlich nicht gerade positiv auf meine schulischen Leistungen ausgewirkt. Das erste Jahr musste ich wiederholen.“ Heute kann sie gut darüber lachen. schliesslich hat sie mittlerweile das Diplom und ihren Traumjob.

20151208_Yooture_Sarah Jordi027

20151208_Yooture_Sarah Jordi027

Heute ist Sarah Jordi 27. Sie ist erst die vierte oder fünfte Senior Marketing Managerin in Europa beim amerikanischen Startup Uber. Man sieht ihr diesen steilen Aufstieg nicht gleich an. Sie hat keinen Blazer, keinen Geschäftsrock oder High Heels an. „Ich muss nicht eins auf wichtig machen, ich gebe mich so wie ich bin, ein H&M Kleid oder ein Blümchenrock im Sommer reichen aus, um für ein Meeting gestylt zu sein. Ich definiere mich durch meine Leistungen und nicht durch Businessklamotten.“, erzählt sie.

20151208_Yooture_Sarah Jordi041

20151208_Yooture_Sarah Jordi098

Uber kam 2013 nach Zürich und eröffnete damit den 36sten Standort. Zu dieser Zeit arbeiteten etwa 400 Leute für den Fahrdienstvermittler aus San Francisco. Wenn Uber eine neue Stadt aufnimmt, schicken sie immer einen Launcher aus den U.S.A vor, der das Team zusammenstellt. „Während dieser Zeit arbeitete ich nebenbei in einer Bar in Zürich. Eines Tages steht plötzlich dieser Launcher mit dem ersten Mitarbeiter in Zürich an der Theke und sagt, er wolle sehen, wie ich im Team funktioniere. Mein damaliger Chef hielt es für angebrachter, dass ich mit den beiden Gästen unterhalte und er gab mir für den restlichen Abend frei. Dieser Mittwochabend endete erst um 4 Uhr in einem Club in der Innenstadt.“ Trotz oder gerade wegen diesem ungewöhnlichen Bewerbungsgespräch erhielt Sarah den Job. „Die Persönlichkeit ist bei Uber wichtiger als der Lebenslauf. Andere Kandidaten hatten vielleicht mehr Berufserfahrung als ich, aber ich passte am besten ins Team und zur Unternehmenskultur. Ich war offen und habe etwas riskiert, indem ich die beiden ausgeführt habe, das hat vielleicht den Ausschlag gegeben.“

20151208_Yooture_Sarah Jordi103

20151208_Yooture_Sarah Jordi020

Heute kennt Sarah die Uber-Kultur wie kaum jemand anderes. Sie führt jetzt selbst viele Bewerbungsgespräche mit neuen Kandidatinnen und Kandidaten durch —und das in ganz Europa. Nächste Woche verreist sie wieder für einen weiteren Einführungskurs. In einem Unternehmen, das es erst seit fünf Jahren gibt, ist sie praktisch schon ein alter Hase. Aus den damals 400 Mitarbeitern sind innerhalb von zweieinhalb Jahren 5’800 geworden. Aus Zürich wurden Basel, Lausanne und Genf. Zwar sei das Unternehmen nicht mehr ganz so familiär, dafür sei alles viel professioneller und strategischer geworden, ein bisschen mehr corporate, wie Sarah es formuliert. Auch ihre Arbeit hat sich in diese Richtung entwickelt. Sie ist weniger in die täglichen Prozesse involviert. Zwar betreut sie immer noch Kunden und Marketing-Partner, aber sie zieht vor allem auch Fäden im Hintergrund. Sie prüft neue Bewerberinnen und Bewerber, schult die neuen Angestellten, schreibt Konzepte und Einsatzpläne.

Am Anfang ihrer Karriere sah alles noch ein bisschen anders aus. Da war vieles noch weniger strategisch und langfristig. Kein Wunder, die Marketing-Abteilung der Schweiz bestand aus Sarah – und zwar ganz alleine. Im Büro sass nur noch der Fahrerkoordinator, Ricky. „In den ersten paar Monaten galt es für uns so schnell zu schwimmen, wie wir nur konnten, um nicht unterzugehen. Ich musste gefühlte zehn Aufgaben gleichzeitig erledigen. Kundensupport, Social Media, den Fahrern das System erklären und mögliche Marketing-Partner von gemeinsamen Aktionen mit Uber überzeugen. Ich traf damals viele Leute und versuchte ihnen diese Marketing-Kooperationen schmackhaft zu machen. Das war damals schwieriger als heute, da Uber in der Schweiz kaum jemand kannte.“

20151208_Yooture_Sarah Jordi015

20151208_Yooture_Sarah Jordi031

20151208_Yooture_Sarah Jordi035

20151208_Yooture_Sarah Jordi015

Die vielen Marketing-Stunts, wie Glaces ausliefern oder Blumen am Muttertag zur Mutter fahren, haben Uber zu weltweitem Ruhm verholfen. Gerade eben fand die erste schweizweite Marketingaktion statt. App-Besitzer konnten sich per Knopfdruck einen Weihnachtsbaum bestellen. „Im letzten Juni haben wir auch das erste Mal europa- und asienweit etwas durchgeführt. Unter dem Stichwort uberGIVING holten unsere Autos Spenden für Flüchtlinge ab und lieferten sie an einer offiziellen Anlaufstelle ab.“ Früher führte Sarah diese Events selbst durch, heute schaut sie eher, dass die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Regionen gut funktioniert.

Die ersten zwei Jahre seien eine harte Zeit gewesen. Richtige Ferien konnte sie erst nach zwei Jahren mal nehmen. Obwohl so viele Leute weltweit für den Konzern arbeiteten, fühlte sie sich zu Beginn manchmal allein und von der Verantwortung erdrückt. „Ausser mir gab es nur noch einen Marketing Manager in Berlin, der Deutsch sprach. Alle deutschen Texte auf der Website, in der App oder, in Pressemitteilungen und alle anderen auch landeten früher oder später auf meinem Schreibtisch. Es wäre ein Leichtes gewesen, den Schuldigen zu finden. Ich zweifelte oft daran, dass ich meinen Job überhaupt kann. Erst als mein jetziger Chef eingestellt wurde, fiel mir Last von den Schultern und die Arbeit leichter.“

20151208_Yooture_Sarah Jordi026

20151208_Yooture_Sarah Jordi107

Der Gegenwind wehte Sarah aber nicht nur von Innen, von den Selbstzweifeln, entgegen. Auch von Aussen wurde ihr die Arbeit nicht gerade erleichtert. Sexismus gehört in der Schweiz leider immer noch nicht der Vergangenheit an. In den vielen Meetings, die sie mit Vertretern anderer Firmen abhielt wurde sie dutzende Male nicht ernst genommen, angemacht oder belächelt. „Ich verliess teilweise völlig fassungslos, fast mit Tränen in den Augen, diese Sitzungen.“

„Manchmal wollte mein Gegenüber unbedingt mit meinem Chef verhandeln. Obwohl es diesen gar nie wirklich gab, aber sie haben einer jungen Frau die Position nicht zugetraut. Es kam vor, dass ich sie mit Matt, dem Launcher, verband, nur dass er ihnen sagen konnte, dass sie das mit mir besprechen sollten. Oft wurde ich auch in Meetings angemacht. Oder sie wunderten sich, dass eine Frau in meinem Alter befördert wurde, wo die doch jeden Augenblick Kinder kriegen könnte. Aus Erfahrung weiss ich, dass in den U.S.A sensibler mit dem Thema umgegangen wird. Die Schweizerinnen und Schweizer hinken in Sachen Diskriminierung weit hinterher“.

20151208_Yooture_Sarah Jordi030

20151208_Yooture_Sarah Jordi007

20151208_Yooture_Sarah Jordi025

„Dieser Sexismus hat einen noch zusätzlich verunsichert. Speziell als Frau hat man oft das Gefühl, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Ich hatte immer Angst, dass jemand merkt, dass ich gar nicht gut genug für meinen Job bin“. Vor allem in diesen Situationen habe Matt sie unterstützt. Er habe ihr immer wieder klar gemacht, wie wichtig sie für diese Firma sei und was für grossartige Arbeit sie leiste. Auch eine junge Kollegin aus Schweden habe ihr sehr geholfen. „Baba war, als sie bei Uber anfing, 22. Ganz alleine hat sie Stockholm, einen der florierendsten Märkte von Uber in Europa, aufgezogen. Sie hat mich, obwohl jünger als ich, sehr inspiriert. Ich wollte so arbeiten wie sie.“

Darum ist Sarahs Rat an junge Frauen und auch Männer, sich mehr zuzutrauen als man denkt. „Wartet nicht bis ihr ready seid. Auf manche Aufgaben kann man sich gar nicht perfekt vorbereiten. Manchmal muss man es einfach anpacken, um es zu lernen. Niemand hätte mich auf diesen Sexismus vorbereiten können. Ich musste ihm zuerst begegnen, um damit fertig werden zu können. Heute sehe ich ihn eher als Herausforderung. Ich liebe es, den Punkt zu erreichen, wenn so ein Macho beginnt, mir auf Augenhöhe zu begegnen.“

20151208_Yooture_Sarah Jordi029

20151208_Yooture_Sarah Jordi036

Diese Erfahrungen gibt Sarah heute gerne an die Jungen weiter. Für viele ist sie heute als eine der wenigen Senior Marketing Managerinnen in Europa eine Ansprechperson. Der Uber-Konzern ist in neuen Städten immer noch ein Startup mit einem kleinen Marketing-Team, wie einst in Zürich. Für diese Leute hat sie angefangen ihre Erfahrungen in das interne Knowledge-System, einer Art Uber Wikipedia niederzuschreiben. Auch in den vielen Schulungen gibt sie ihre Erfahrungen gerne weiter. „Matt hat mir immer gesagt, er freue sich, mich bei Uber wachsen zu sehen. Wenn ich an meine Zukunft bei Uber denke, freue ich mich riesig darauf, die neuen Angestellten an ihren Aufgaben reifen zu sehen. In Zukunft möchte ich das noch mehr tun, noch mehr Lehrerin, Mentorin und Helferin sein. Wenn man es so anschaut, habe ich eigentlich meine Kindheitsträume erreicht. Ich bin eine Art Mischung aus Lehrerin und Journalistin. Nur Gott sei Dank für Erwachsene.“

Office_überarbeitet

20151208_Yooture_Sarah Jordi076

Uber wächst immer noch wahnsinnig schnell. Mittlerweile vermitteln sie Fahrten in 67 Ländern. Und täglich werden neue Stellen geschaffen. Wer also Interesse hat, in einem internationalen Unternehmen zu arbeiten, soll Mut haben und sich bewerben. Vielleicht kommt ihr dann auch unter Sarahs Fittiche.

Text: Nedim Ferhatbegovic

Bilder: Céline Werdelis

Finde den Job, den du wirklich liebst. Mit yooture. Alle Jobs der Schweiz in einer App. Ganz ohne mühsame Suche. App laden und passende Jobvorschläge erhalten.

iOS1x   Android1x