Daniel Rietmann – All about the Gummi - Love my job
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Daniel Rietmann – All about the Gummi

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19 Jan Daniel Rietmann – All about the Gummi

Normalerweise finden Jugendliche Aufklärung öde und weltfremd. Nicht so bei Daniel GummiRietmanns Organisation «GummiLove», die mit der Reputation eines coolen Brands auftritt und mit den Beteiligten auf Augenhöhe spricht, anstatt öde Lektionen zu halten.

Stellt euch kurz ein Interview mit einem 38-jährigen Unternehmer vor. Was kommt euch in den Sinn? Vermutlich ein Herr mit gut sitzender Frisur in einem blauweiss karierten Hemd, mit einer Schweizer Uhr am Handgelenk und einem Handy, das pausenlos klingelt. Er erzählt von seinem Start-up, das er “lean“ aufgezogen hat. Er berichtet von Meetings und Calls und streut bei Gelegenheit mal ein motivierendes Zitat von Steve Jobs ein und ergänzt anschliessend, dass man als Unternehmer hart arbeiten muss und schlafen kann, wenn man tot ist. Genau so ist Daniel Rietmann aber nicht.

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Statt des Hemdes trägt er einen Hoodie. Die gegelten Haare ersetzt er schlichtweg mit einem Cap, das er verkehrt herum trägt. Statt der teuren Uhr liegt ein Skateboard neben ihm.

Um die Meetings kommt auch er nicht herum, er erzählt aber lieber von Ideen, die ihn andauernd heimsuchen. Die besten Ideen kamen  ihm, so stellte er fest, wenn er verkatert aufwacht. Mit Kater habe er auch seine besten Ergebnisse in den Snowboard- Contests erzielt, ergänzt er.

GummiLove  ist eine dieser Schnapsideen (in seinem Fall ganz positiv gemeint). Der Verein klärt Jugendliche an verschiedenen Events und Jugendtreffs  über Sexualität, Geschlechtskrankheiten und Verhütung auf. Dabei ist es besonders wichtig, nicht als  Besserwisser rüberzukommen: „Wir wollen nicht von oben herab unser Wissen über die Jungen ergiessen. Wir treten auf, als gehören wir dazu. Wir sprechen mit ihnen über die positiven Seiten von Partys und Sex und erklären ihnen die negativen – und das auf Augenhöhe“!

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Dass Daniel Rietmann in der Sexualprävention gelandet ist, war wohl so etwas wie Vorbestimmung. Jemand, der am Fusse des Stooses geboren wurde und seit dem achten Lebensjahr den Spitznamen Gummi trägt, hatte wohl keine andere Wahl. Und trotzdem steckt hinter der Organisation mehr als nur eine göttliche Vorsehung oder Schicksal. Ohne die fast kindliche Neugier und Offenheit gäbe es die Organisation ganz bestimmt nicht.

Diese Eigenschaften vereint er zusätzlich mit viel Ehrgeiz und einer unglaublichen Zielstrebigkeit. „In der Schule hatte ich nicht so wirklich keine Ahnung, was nachher folgt. Ich wusste nur, dass ich möglichst häufig Snowboarden will.“

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Darum bewarb ich mich als Koch in einem Engadiner Hotel , das nur drei Minuten vom Gondel  entfernt stand. „Ich habe damals nämlich herausgefunden, dass Köche lange Mittagspausen haben und so konnte ich täglich auf den Berg hoch“, plaudert er aus seiner Jugend.

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Dank des täglichen Trainings stieg er schnell zum Profisnowboarder mit Sponsoren und allem was dazugehört auf. Wobei er mit Ausnahme eines Jahres immer nebenbei als Koch arbeitete. Ein Jahr lang habe er nur aus seinem Rucksack gelebt: „ Ich reiste dem Winter nach und snowboardete in Japan, Kanada, Chile und den U.S.A. Aber länger konnte ich es nicht machen, mir war das alles zu verbissen. Dafür bin ich nicht der Typ“, gibt er lächelnd zu.

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Dank seiner Gabe, sich in ohne gross zu überlegen in Projekte stürzen zu können, startete er GummiLove . „Ich fackle nicht lange und probiere lieber gleich etwas aus. Schliesslich finde ich nur so heraus, ob ein Plan aufgeht.“

Und bei GummiLove  funktionierte sein Plan A: „Schon bei unserem ersten Auftritt vor einem grösseren Publikum, 2009 am Freestyle.ch, überstrahlten wir die anderen Brands. Dank unserem grellen Markenauftritt rissen uns die Leute die erste Kollektion, die ich zusammen mit dem Grafiker Christian Neuenschwader  entwickelt habe und aus Kondomboxen, T-Shirts und Stickern bestand, aus den Händen. Das ganze Gelände war voll mit unseren Aufklebern.“

Einen wichtigen Teil zum Erfolg trugen auch seine  Kollegen aus der Snowboard- und Skateboard-Szene bei. Dani konnte sein grosses Netzwerk einspannen und alte Weggefährten sofort für diese Idee begeistern. Schon von Anfang an erhielt er Unterstützung von Branchengrössen wie Nicolas Müller und Iouri Podlatchikov.

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Bis heute haben diese «Ambassadors» eine grosse Bedeutung für den Verein. „Die  ersten sind immer noch dabei, aber wir haben auch viele Junge ins Team geholt. Alle machen das freiwillig und gern, ich muss da gar nicht viel nachhelfen. Sie gehen sogar an die Events und Jugendanlässe  und machen bei Workshops mit , was uns unheimlich viel Coolness und Glaubwürdigkeit unter den Jugendlichen gibt“, erklärt Dani die Idee dahinter.

Trotz des Erfolgs blieb GummiLove  noch ein Weilchen nur eine coole  Idee.

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Richtig ernst wurde es Daniel mit dem Projekt aber erst, nachdem er länger mit dem Profiskateboarder Ivo Schneiter Zeit verbracht hat, der mit HIV zur Welt kam. „Mir war zwar die Problematik bewusst, dass da ein Tabu besteht, dass da nichts zu suchen hat. Aber erst nach einer ausführlichen Unterhaltung mit Ivo wurde mir bewusst, was hier auf dem Spiel steht. Für ihn ging es bei dieser Thematik um Leben und Tod.

Da wurde mir meine Verantwortung das erste Mal richtig vor Augen geführt“, erzählt er vom Schlüsselmoment. Ivo Schneiter ist ebenfalls einer der «Ambassadors», vielleicht der Wichtigste.

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2010 landete Dani mit Corinne einen Glücksgriff, sagt er mit einem riesigen Lachen im Gesicht. Denn sie war bereit, mit ihm GummiLove aufzubauen und durch ihre soziale Ausbildung zu einem professionellen Verein mit fachlich korrekter Prävention zu machen. Corinne ist vor allem in der Aktivprävention tätig, wie Events und Workshops organisieren und die Chat-Beratung betreuen. Sie kümmert sich aber auch um wichtige administrative Sache, schreibt Konzepte und Texte und arbeitet mit Fachstellen zusammen.

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Danis stärken liegen im Marketing, Networking, und der kreativen Umsetzung. Er brauchte aber jemanden, der das Fachwissen mitbringt, die Prävention aufbaut und zu den Jungen geht, um sie aufzuklären. Klar, heute arbeiten sie immer noch zusammen an diesem Projekt, sind nebenbei noch verheiratet und haben einen zweijährigen Sohn und ein zweites Kind ist unterwegs.

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Neben der Aktivprävention und den Events wie der Skateboard PumpKing Challenge, dem Hit the cheese oder dem Snowboard Banked Slalom auf dem Stoos, die Dani aus dem Hut zaubert. sammelt Corinne vor allem auch Spendengelder bei Stiftungen und Bundesämtern „Diese Institutionen tun sich teilweise schwer damit, uns Geld zu geben, da wir in der Öffentlichkeit als Marke auftreten. Mittlerweile erkennen zwar auch einige die Vorteile unseres erfrischenden Auftretens, aber viele begegnen uns immer noch mit Misstrauen. Klassische Modelle haben es oft leichter an diese Gelder zu kommen“, erzählt er plötzlich ganz ernsthaft.

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„Aber dank unserer Erfolge werden wir schon ernster genommen als zu Beginn“, gibt er optimistisch zu Protokoll. Allgemein schärft die immer noch junge Organisation langsam ihre Konturen, ohne dabei an Spass und Unbekümmertheit einzubüssen, die sie zu dem gemacht haben, was sie heute ist: Nämlich vermutlich die einzige wohltätige Marke der Welt.

Sobald das Finanzielle auch geregelt ist, lebt Dani seinen Jugendtraum: „Ich mache etwas Gutes für die Gesellschaft, habe eine grossartige Familie und kann immer noch sehr oft snowboarden“!

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Zur Webseite von GummiLove: gummilove.com

Text: Nedim Ferhatbegovic Bilder: Céline Werdelis